Zwei Casino-Angestellte wurden im Kosovo in den letzten Wochen gewaltsam getötet. Zur Stärkung der öffentlichen Sicherheit hat man kurzerhand ein Gesetz entworfen, welches das Glücksspiel im Kosovo verbietet. Regierungschef Ramush Haradinaj wolle nicht, dass Spielhallen und Wettbüros Schauplätze des Verbrechens werden.

Der Kosovo gehört zu den ärmsten Ländern Europas. Ein Drittel der Bevölkerung sind arbeitslos. In den letzten Jahren hatten das Glücksspiel und vor allem Sportwetten starken Zuwachs erfahren.

Es gab immer wieder Probleme mit organisiertem Verbrechen im Kosovo. Daher waren bereits vorher ein großer Teil der 470 Spielhallen geschlossen worden. Im Nachbarland Albanien wurde das Glücksspielverbot bereits im Januar 2019 eingeführt. Es sollte dort nicht nur das organisierte Verbrechen, sondern ebenfalls die Spielsucht bekämpfen.

Was ist im Kosovo vorgefallen?

Es gab zwei Vorfälle innerhalb weniger Tage. In zwei Wettbüros wurden zwei Mitarbeiter bei bewaffneten Überfällen getötet. Ein Polizist wurde festgenommen, weil er an einem der Morde (in Suhareka im Süden Kosovos) beteiligt gewesen sein soll. Der andere Vorfall ereignete sich in Lipjan, einer Kleinstadt im Zentrum des Landes.

Razzien in verschiedenen Glücksspielbetrieben offenbarten mehrere hundert Glücksspielautomaten, die illegal aufgestellt wurden. Die Automaten wurden daraufhin konfisziert. 

Aufgrund der Vorfälle, im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und zur Prävention von Spielsucht solle es für die nächsten 10 Jahre ein Glücksspielverbot geben. Ausgenommen ist eine staatliche Lotterie. Sie soll weiterhin angeboten werden können.

Die gesamte Branche ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Rund 4.000 Arbeiter beschäftigt der Glücksspielmarkt im Kosovo. Ruzhdi Kosumi, der 14 Wettbüros im Kosovo betreibt, kommentierte gegenüber der Presse:

Die Entscheidung die Standorte zu schließen, wurde getätigt, nachdem 2 von 4 unserer Angestellten getötet wurden. Das ist kompletter Unsinn. Wir verlieren Angestellte und nun verlieren alle ihre Jobs.

Für die nächsten 10 Jahre soll es im Kosovo nur noch eine nationale Lotterie geben. 20 Millionen Euro bekommt der Staat durch das Glücksspiel an Steuern. Auf einen großen Teil wird man verzichten müssen. Regierungschef Ramush Haradinaj verteidigte die Entscheidung wie folgt:

Es ist ein totales Chaos, ein totaler Missbrauch und deshalb ist es gut, dass wir es stoppen.

Geldwäsche in den Balkanländern ein großes Problem

Lousie Shelley ist Direktorin des Terrorismus, transnationalen Kriminalität und Korruptionscenters in den USA. Außerdem ist sie Professorin an der George-Mason-Universität in Virginia. Sie ist der Meinung, dass der Druck zur Kontrolle von Geldwäsche in den Casinos auf die Balkanländer Albanien und Kosovo steigt. Die Gewalt und Kriminalität habe Albanien und den Kosovo destabilisiert. Diese Entwicklungen haben jetzt den Widerstand bei den Regierungen geweckt.

2017 wurde durch das Glücksspiel in Albanien 143,3 Millionen US-Dollar (rund 128 Millionen Euro) an Gewinnen generiert. Die sozialen Kosten durch Überfälle, Morde und Spielsucht sollen deutlich höher gewesen sein. Albanien ist auf Platz 106, was Selbstmord angeht. Durchschnittlich 5 Menschen von 100.000 Einwohnern begehen dort im Jahr Selbstmord (so berichtet es eine Statistik der Vereinten Nationen zu Drogen und Kriminalität).

Albanien hatte im Oktober 2017 ein entsprechendes Gesetz für das Verbot von Glücksspiel entworfen. Im Januar 2019 wurde es endlich durchgesetzt.

Im Kosovo gibt es viele Probleme, die Spielsucht begünstigen

Am 17. Februar 2008 hatte der Kosovo seine Unabhängigkeit erklären können. Der Politikexperte Agron Demi vom GAP-Institut in Pristina schrieb über das Land zum 10-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit:

Der Kosovo begeht das Jubiläum als isoliertestes und ärmstes Land Europas und als Land, das nicht nur ökonomische, sondern auch zivile und politische Freiheiten beschneidet.

Es handelt sich um den jüngsten europäischen Staat mit 1,9 Millionen Einwohnern. Korruption und organisiertes Verbrechen sind dort an der Tagesordnung, auch die Milliardenhilfen zum Aufbau des Landes von den internationalen Gemeinschaften (vor allem der UNO) konnten nicht viel ändern.

Neben Russland und Weißrussland ist der Kosovo das einzige Land, dessen Einwohner ohne Visum nicht in die EU reisen dürfen. Die Kosovaren fühlen sich daher eingesperrt. Zudem wird das Land von Russland, China und 5 EU-Ländern nicht anerkannt. Daher kann man nicht Mitglied in internationalen Organisationen werden. Der Norden des Landes wird außerdem von Serben bewohnt, von Serbien kontrolliert und kann als rechtsfreier Raum angesehen werden.

Nach der Republik Moldau ist der Kosovo das ärmste Land Europas. Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung haben keine Arbeit. Es gibt keine Investoren aus dem Ausland, das Land produziert nur wenige Güter für den Export.

Das Land wird derzeit von Parteien der ehemaligen Kommandanten der Kosovarischen Befreiungsarmee (UCK) geführt. Ramush Haradinaj war einer der Kommandanten der Befreiungsarmee und ist heutiger Regierungschef.

Die anhaltende Perspektivlosigkeit hatte dazu geführt, dass Sportwetten und andere Glücksspiele im Kosovo sehr beliebt wurden. Mit dem neuen Glücksspielverbot versucht die Regierung einen Krisenherd des Landes auszumerzen. Ob man damit erfolgreich ist, oder das Glücksspiel noch mehr in die Illegalität drängt, wird wohl die Zukunft zeigen.

Bildquelle: Fotolia 233273024 - Kosovo ©Birgit

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