Kevin Roster ist ein eher unbekannter kalifornischer Poker-Profi gewesen. Mit einer seltenen Krebsform, die zur Behandlung zu spät erkannt wurde, hat er in diesem Jahr an der World Series of Poker teilgenommen. Er wollte seine Krankheit und das Poker-Event zur Sensibilisierung für das Thema nutzen. Er ist am Freitag (26. Juli 2019) selbstbestimmt von der Welt gegangen.

Kevin Roster trug den Spitznamen Racks und war ein amerikanischer Pokerspieler aus New Jersey. 2017 diagnostizierten Ärzte bei ihm ein Sarkom. Es handelt sich dabei um eine eher seltene Krebsform, welche von embryonalem Bindegewebe ausgeht. Leider wurde die Krankheit zu spät erkannt. Es musste ihm ein Bein amputiert werden und im Juni 2019 hieß es, dass er höchstens noch 6 Monate zu leben hat.

Roster ist nach der Diagnose nach Sacremento in die Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien gezogen. Dort ist seit 2016 Sterbehilfe für unheilbar kranke Menschen unter ärztlicher Aufsicht unter bestimmten Umständen möglich.

In Kalifornien muss ein Patient, der Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte, die Medikamente selbst einnehmen. Die Person muss mental stabil sein und wenigstens zwei Mal den Wunsch nach den Medikamenten äußern. Zwischen den Äußerungen müssen 15 Tage liegen. Eine schriftliche Äußerung ist ebenfalls notwendig. Zwei Ärzte müssen dem zustimmen.

Kevin Er hatte entschieden, dass er 2019 bei der World Series of Poker spielen wollte, bevor er aus dem Leben scheidet. Die WSOP 2019 wollte er noch einmal nutzen, um auf seine Krankheit und deren Früherkennung aufmerksam zu machen. Er wollte ebenfalls eine letzte Chance auf den Gewinn eines Bracelets haben und seinem Sohn das Preisgeld als Erbe hinterlassen.

Am Ende hat sich der Gewinn des Bracelets nicht erfüllt, aber immerhin hat er eine mediale Aufmerksamkeit für seine Sache erhalten, mit der er nie geahnt hätte.

Teilnahme am WSOP Main Event 2019

Roster hatte in diesem Jahr am $ 10.000 WSOP Main Event teilgenommen. Er war auf Einladung des früheren Weltmeisters Greg Merson dabei, der seine Geschichte gehört und das Startgeld für ihn gezahlt hat. Insgesamt hat er sich bei dem Main-Event gut geschlagen, aber am Ende sorgte die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes dafür, dass er die Tour frühzeitig verlassen musste.

Nach dem recht wundersamen Lauf bei der WSOP teilte er seinen Fans via Twitter mit, dass er keine öffentlichen Auftritte mehr absolvieren kann. Er würde auch niemanden sagen, wann er aus dem Leben tritt. Das galt auch für seine Familie. Er wollte aber bis zuletzt als Pokerspieler in Erinnerung bleiben und schrieb daher einmal:

Ich bin klein und der Big Blind kommt schnell. Ich plane weiterhin Poker zu spielen, egal ob live oder online. Wenn ich es nicht mehr kann, wird es wahrscheinlich ein guter Indikator dafür sein, wann es soweit ist, zu gehen.

Er sprach mit den Spielern und in Interviews bei der WSOP über das Thema Sarkom. Außerdem trug er ein T-Shirt mit wichtigen Kerndaten über die Krankheit, welche Aufmerksamkeit bei der Zuschauern erregen sollten. Insgesamt gab es am Ende viele Zuschauer, die den Poker-Profi in ihr Herz geschlossen hatten.

Leistungen in der Pokerkarriere

Begonnen hat seine Kariere um 2000 in der Untergrund-Pokerszene. Bis 2009 hat er dann auch online Poker gespielt. Nach dem Verbot in seinem Bundesstaat, wendete er sich legalen offline Pokerturnieren in den USA zu.

Insgesamt war Kevin Roster ein eher unbekannter Pokerspieler. In seiner Kariere hat er 50.465 Dollar an Preisgeldern erspielt. Damit ist er laut The Hendon Mob auf Platz 4.770 im Global Poker Index Ranking. Im Popularitätsranking rangiert er auf Platz 20.657. Seine letzten Gewinne bei Turnieren waren unter anderem:

  • Platz 123 von 1859 im $500 No-Limit Hold’em Online Event Juli 2019: Gewinn = 1.171 Dollar
  • Platz 135 von 2477 im $1,000 No-Limit Hold’em Juni 2019: Gewinn = 2.410 Dollar
  • Platz 24 von 541 im $1,500 Limit Hold’em Event Juli 2019: Gewinn = 4.360 Dollar
  • Platz 38 von 6035 im $1,500 No-Limit Hold’em Monster Stack Juni 2019: Gewinn = 22.561 Dollar

Roster wollte in Würde sterben

Bis zuletzt warb der Pokerspieler auch für ein selbstbestimmtes Ende, welches in Würde erfolgen soll. Er war der Meinung, dass alle Amerikaner das Recht haben sollten, das Ende ihres Lebens bestimmen zu können, wenn sie an tödlichen Krankheiten leiden. Leider musste er gestehen, dass rund 80% der Amerikaner diese Möglichkeit nicht haben.

Roster war über die sozialen Medien sehr aktiv und hat versucht, seine letzten Lebensetappen relativ gut zu dokumentieren. In dem Blog „My Sarcoma Cancer Story“ hat er seinen Kampf gegen den Krebs von 2017 an niedergeschrieben. Am 25. Juli 2019 hatte er dort ebenfalls einen Abschiedsbrief und ein letztes Video veröffentlicht. In seinem Abschiedsbrief, schrieb er unter anderem folgende Worte:

Es ist sehr bedauerlich, dass ich diesen Brief schreibe, um euch mitzuteilen, dass ich mich entschieden habe, meinen Kampf gegen das Sarkom aus einer Position der Stärke heraus friedlich zu beenden, indem ich morgen (Freitag), 26. Juli 2019, medizinische Hilfe in Anspruch nehme. Es ist meine Überzeugung und die Überzeugung meiner Ärzte, dass die Krankheit, die meinen Körper überrollt, mich in Kürze in diese Richtungen führen wird. […] Zu diesem Zeitpunkt hält mich die Krankheit als Geisel und ich übernehme die Kontrolle zurück, wie ich es bei jedem entscheidenden Schritt meiner Reise versucht habe.

Seine aktuelle Situation mit der Krankheit hat er im Brief so beschrieben:

Derzeit leide ich an einem fast ständigen Sauerstoffbedarf, Müdigkeit, die mich 13 bis 14 Stunden am Tag im Bett hält, Hustenanfällen, Delirium, Tumorschmerzen in meiner Lunge und Leistengegend. Sie erfordern Morphium und etwa 40 Tabletten gegen Kurzatmigkeit und Schwierigkeiten beim Essen unter vielen, vielen anderen.

Am Ende bedankt er sich bei vielen Menschen, die ihm am Ende geholfen haben persönlich. Darunter ebenfalls Greg Merson, der ihm den Besuch beim WSOP ermöglicht hatte. Bei den Fans bedankte er sich so:

Ich konnte Millionen von Menschen erreichen und meine Erwartungen an ein Straßenkind aus Queens, das in Gruppenheimen aufwuchs, bei weitem übertreffen. Ich möchte der Presse und der Poker-Community dafür danken, dass sie dazu beigetragen haben, meine Botschaft des Bewusstseins weit über das hinaus zu verbreiten, was ich jemals für möglich gehalten habe. […]

Seitdem meine Geschichte veröffentlicht wurde, haben sich unzählige Menschen über soziale Medien und persönlich an mich gewandt, um mir ihre Krebs- und Sarkomgeschichten zu erzählen. Ihre Siege, Niederlagen und Kämpfe haben mir bewiesen, dass es die richtige Entscheidung war, und ich möchte, dass Sie alle weiterhin lachen und kämpfen.

 

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