Illegales Glücksspiel ist in Berlin ein großes Problem. Eine illegale Pokerrunde in einem Spielautomaten-Bistro ist in der vergangenen Woche eskaliert. Es gab Streit unter den Spielern – es gab Schüsse und eine 23-Jährige Frau ist gestorben.

Am Freitag (26. Oktober 2018) soll eine Pokerpartie in Berlin Gesundbrunnen tödlich geendet haben. In der Nacht zum Samstag haben sich Spieler nach dem Pokern einen Kampf geliefert. Dabei wurde eine 23-Jährige angeschossen. Die Hilfe kam zu spät, sie verstarb in der Charité.

Was ist genau vorgefallen?

Laut den ersten Berichten hat sich die Begebenheit im „Café 63“ in der Prinzenallee in Berlin zugetragen. Es handelt sich um ein klassisches Glücksspiel-Bistro, bei dem die Besucher Darts spielen, am Geldspielgerät daddeln oder einfach Karten spielen. Laut derzeitigen Informationen gab es des Öfteren in den Hinterzimmern des Bistros einige illegale Poker-Wettstreite.

Am Freitagabend soll ebenfalls laut Augenzeugenberichten ein illegales Pokerturnier zugetragen haben. Nach dem Spiel kam es durch den verlorenen Wetteinsatz zu einem lauten Wortgefecht mehrerer Spieler. Am Ende eskalierte der Streit. Bewohner wollen gesehen haben, wie die Spieler mit Äxten, Baseballschläger oder Hämmer aufeinander losgegangen sind. Einige Zeugen meinen auch, Schüsse gehört zu haben.

Eine Frau soll verletzt zu Boden gegangen sein. Die Spieler haben ihr angeblich nicht geholfen und sind geflüchtet. Insgesamt dauern die Ermittlungen immer noch an.

Eine Frau war schwerverletzt

Gegen 3 Uhr trafen Rettungskräfte ein. Die junge Frau stammt laut ersten Ermittlungen aus Bosnien-Herzegowina. Sie wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen vor dem „Café 63“ gefunden. Laut den Zeugen wurde die Frau versehentlich angeschossen. Baseballschläger, Axt und Hammer habe man wohl auf dem Bürgersteig vorgefunden.

Die Rettungskräfte mussten die Frau noch vor Ort reanimieren. Mit einem Notarzt wurde sie in die Berliner Charité gebracht. Für sie kam aber jede Hilfe zu spät, sie verstarb in der Nacht im Krankenhaus. Eine Obduktion am Samstag ergab als Todesursache eine Schussverletzung.

Verletzter Mann im „Cafe63“

Bei den Untersuchungen soll ein blutüberströmter 39-jähriger Mann im „Cafe63“ gefunden worden sein. Mit einer schweren Kopfverletzung wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Laut Angaben der Mediziner befindet er sich außer Lebensgefahr.

Derzeit geht die Polizei von 5 Tätern aus, die vom gegenüberliegenden Supermarktparkplatz in schwarzen Limousine und einem weißen Auto geflüchtet sein sollen. Die Flucht wurde wohl in Richtung Parkstraße aufgenommen. Für alle weiteren Ermittlungen ist die 3. Mordkommission zuständig.

Mögliche Hintergründe der Tat

Bisher ist nicht bekannt, welche Verbindung zwischen den beiden Opfern und den Tätern bestand. Am Samstagnachmittag hatten die Beamten im Lokal Spuren gesichert und bis Mittag die Anwohner sowie weitere Zeugen befragt. Ausgehend vom Klientel des Bistros geht man wohl von einer Verbindung zu Rockerclubs aus. Dabei ist der Club “Guerilla Nation Vainakh” im Gespräch. Es handelt sich dabei um keinen Motorrad-Rockerclub im klassischen Sinn. Die Mitglieder sollen vor allem aus Tschetschenen bestehen. Sie haben nur das Rocker-Image gewählt, teilweise haben die Mitglieder nicht einmal Motorräder. Dennoch haben sich die Mitglieder teilweise mit den Hells Angels angelegt.

Im letzten Jahr gab es immer wieder in der Gegend Prinzenallee und Soldiner Straße Vorfälle von Gewalt, teilweise ebenfalls mit Schusswaffen. Inwiefern die Taten zusammenhängen, wird derzeit von der Polizei geprüft. Insgesamt waren die Zeugen Aussagen teilweise widersprüchlich. So beschwichtigte der Sprecher der Mordkommission zunächst:

Wir gehen diesen Hinweisen [auf dem Rockermilieu] konkret nach. […] In solchen Fällen muss erst mal sortiert, was wirklich verwertbar ist.

 

Ein illegales Pokerturnier endete mal wieder als Desaster. Ich habe bereits des Öfteren über Pokerturniere im Hinterzimmer berichtet, diese Ausmaße gab es bei einer verlorenen Partie bisher noch nicht. Ich werde auf jeden Fall versuchen, über den Ausgang des Falls zu berichten, wenn nähere Informationen bekannt wurden. Für mich ist es ein Grund mehr, nicht mehr in Spielhallen oder Casino-Bistros in Berlin zu gehen – online wird man wenigstens nicht Opfer von irgendwelchen Gewalttaten.

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